CDO Interview: Urs Reimann - Head of Digital Transformation in der Bystronic Group

June 14, 2019

 

Herr Reimann, was ist Ihre Position im Unternehmen?

U. Reimann: Seit dem Sommer 2017 bin ich als «Head of Digital Transformation» in der Bystronic Group tätig.

 

Was ist ihr Aufgabenfeld?

U. Reimann: Das Aufgabengebiet teilt sich einfach gesagt in die zwei Bereiche «Digitalisierung» und «Transformation». Bei der Digitalisierung stehen primär technische Fragestellungen sowie Massnahmen im Raum wie etwa die Vernetzung und Automatisierung der Fertigungs- und Geschäftsprozesse, smarte Produkte, Maschinen und Systeme, welche die in der Lage sind, sich selbst zu optimieren, eigenständig Entscheidungen zu treffen und Probleme ohne menschliches Eingreifen zu lösen. Ein hoher Reifegrad der «Digitalisierung» ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die eigentliche «Transformation» wo ich mich mit Themen wie Digitalstrategie, digitale Geschäftsmodelle, neue Organisations- und Arbeitsformen oder Mitarbeiterentwicklung auseinandersetze.

 

Alle reden von Digitalisierung. Was bedeutet das in Ihrem Unternehmen?

U. Reimann: Der Begriff der «Digitalisierung» wird in der Bystronic in einem grösseren Zusammenhang gesehen, als es der Begriff vielleicht vermuten lässt. Um dies zu erläutern gebe ich Ihnen drei Beispiele.

Fall 1: Maschinen sind heute oft noch sogenannte Standalone-Systeme, welche über wenig eigenständige künstliche Intelligenz verfügen und mit der Umwelt kaum interagieren. Damit solche Maschinen in intelligenten Fabriken zum Einsatz kommen können, müssen diese möglichst einfach in solche Netzwerkstrukturen integriert (plug & play) werden können. Je intelligenter die Maschine und je besser die datentechnische Integration ist, desto einfacher lässt sich ein digitaler Schatten bzw. ein digitales Abbild der Maschinenzustände und den entsprechenden Fertigungsprozessen erstellen. Diese Virtualisierung bietet zahlreiche Vorteile für Simulationen, Vorhersagen oder digitale Services und Applikationen.

Fall 2: Die IT wird oft noch als ein interner Dienstleister gesehen, welcher die IT-Infrastruktur und dessen Betrieb sicherstellt. Zukünftig wird die IT aber auch ein unverzichtbarer Partner für das globale Datenmanagement sowie ein wichtiger Business-Treiber für digitale Geschäftsmodelle werden. Verteilte und global vernetzte Infrastrukturen spielen in einem digitalen Ecosystem eine zentrale Rolle. Das Rollenverständnis der IT ändert sich rasant durch Begriffe wie IoT, Cloud-Services, Data-Governance, Legal oder Security.

Fall 3: Digitale Geschäftsmodelle entlang ganzer Wertschöpfungsketten bedingen ein gutes Prozessverständnis über alle Bereiche, welches weit über die eigentlichen Fertigungsprozesse der Maschinen hinausgeht. Eine sogenannte End-to-End-Betrachtung ist notwendig, um vollständig digitale Services zu realisieren. Digitale Geschäftsmodelle bedingen neuartige Systemlandschaften, welche auf anderen Software- und System- Architekturstrukturen aufbauen müssen.Diese drei Fälle zeigen Beispiele auf, wie sich die Digitalisierung in der Bystronic niederschlägt.

Welche Aufgabe nehmen Sie in der Digitalisierung ein?

U. Reimann: In meiner Rolle bin ich primär Berater, Stratege, Enabler, Coach und Antreiber einer neuen digitalen Innovations-Bewegung. Oft werde ich als Evangelist bezeichnet, da ich immer wiederkehrend auf die Mitarbeiter einrede (lacht). Es geht darum die Mitarbeiter für diese Themen zu begeistern und zu mobilisieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Koordination und Synchronisation der interdisziplinären Teams, welche an diversen Digitalisierungs-Initiativen arbeiten.

 

Wie lange gibt es ihre Position, Rolle schon? Wie gefestigt ist sie in der Organisation?

U. Reimann: Die Rolle wurde durch meinen Eintritt in die Firma im Sommer 2017 geschaffen. Anfänglich wusste man noch nicht so richtig mit der Rolle umzugehen, was sich aber durch die Präsenz des Themas zunehmend positiv verändert. Wichtig zu verstehen ist, dass meine Rolle keiner klassischen Abteilungsleiter-Funktion entspricht, sondern eine crossfunktionale Rolle ist, welche mit interdisziplinären Teams arbeitet. Oft sind die organisatorischen Strukturen von Firmen nicht optimal dafür ausgelegt. Daher ist es umso wichtiger, dass die Geschäftsleitung hinter solchen Initiativen steht bzw. diese proaktiv unterstützen.

 

Wie wird ihre Arbeit und Rolle im Unternehmen wahrgenommen?

Ich denke das kommt darauf an, welche Personengruppen man fragen würde. Die einen sehen mich als Vordenker und Stratege, andere als Berater und Koordinator, und wieder andere als operativen Umsetzer. Selten auch als Störenfried (lacht). Je nachdem wo ich mein Arbeitsschwerpunkt setzte, gibt es entsprechend Anerkennung bzw. Enttäuschung. Grundsätzlich denke ich jedoch, dass meine Arbeit und Rolle in der Organisation als sinnvoll und wichtig angesehen wird.

 

Wo stehen Sie in dem Prozess [der Aufgaben oben]?

U. Reimann: Wir arbeiten unteranderem an der Digitalstrategie für die Bystronic Gruppe, welche Themenbereiche wie digitale Geschäftsmodelle, digitales Lösungsportfolio oder interne Geschäftsprozess-Digitalisierung adressiert. Bei den aktuellen Initiativen geht es aktuell darum eine solide technische und organisatorische Basis zu schaffen, auf welche sich die strategischen Ziele aufbauen lassen. Solche Massnahmen sind zum Beispiel, dass alle Maschinen an cyber-physische Systeme angebunden werden können, dass die Organisation und die Prozesse richtig ausgelegt sind oder das die IT die notwendigen Strukturen und Dienste aufbaut.

 

Wo sehen Sie die wichtigsten Hebel, Erfolgsfaktoren?

U. Reimann: Ich denke, dass es essentiell wichtig ist, dass sich die Firma ohne Vorbehalte zum digitalen Wandel bekennt und klare Ziele festlegt. Weiter ist es wichtig, dass die richtigen Voraussetzungen und Rahmenbedingen geschaffen werden, damit die Ziele erreicht werden können.  Es ist wie mit einem Orchester, stimmt die Zusammensetzung und werden die Instrumente beherrscht, spielt es schlussendlich keine Rolle, welche Noten gespielt werden sollen. Parallel sollte man sich Gedanken machen, welche neuen Geschäftsmodelle sinnvoll sind und welche Produkte, Services und Infrastrukturen dazu aufgebaut werden müssen. Eine durchgängige Methodik sowie geeignete Modelle helfen diese Aufgaben strukturiert und in der richtigen Reihenfolge zu lösen.

 

Was sind die grössten Hürden?

U. Reimann: Einen Wandel zu vollziehen, heisst auch immer, dass Neuland betreten wird. Dies verursacht Unsicherheit, da Erfahrung und Knowhow oft nicht ausreichend vorhanden sind. Daher ist es wichtig, dass sich die Firmen nach aussen hin öffnen, nicht an bekannten Mustern festhalten, organisatorische Silos abbauen, um interdisziplinären Teams Platz zu schaffen. Dies bedingt in den meisten Fällen, dass an der Firmenkultur, am Mindset aller Mitarbeiter sowie an der Organisation gearbeitet werden muss.

 

Welche Veränderungsprozesse müssen Sie vorantreiben?

U. Reimann: Wie bereits erwähnt, ist die bisherige Geschichte der Bystronic vom klassischen Maschinenbau geprägt. Neu will sich die Bystronic als Gesamtlösungsanbieter etablieren, um den Kunden entlang ihrer gesamten Fertigungsprozesse Lösungen und Dienstleistungen anbieten zu können. Das bedingt unweigerlich, dass die Denkweise von einzelnen Produkten hin zu Systemen und von Funktionen hin zu Prozessen verändert werden muss. Was sich trivial anhört, ist in der Realität eine grosse Herausforderung auf allen Ebenen und in allen Disziplinen. Denken in vernetzen, verteilten Systemen entlang der Wertschöpfungsketten erhöht nicht nur um ein Vielfaches die Komplexität, sondern erfordert neue Skills, Methoden, Strukturen, Modelle, Technologien und schlussendlich ein neuer «Mindset» der Organisation bzw. deren Mitarbeiter. Dies ist das aktuelle Umfeld, in dem ich mich bewege bzw. andere Mitarbeiter bewege.

 

Wo stehen Sie in dem Prozess mittelfristig, sagen wir in drei Jahren?

U. Reimann: Die Firma wird hinsichtlich der erwähnten Voraussetzungen und Rahmenbedingungen einen guten Reifegrad erreicht haben. Im Weiteren werden neue digitale Geschäftsmodelle mit all Ihren Auswirkungen auf digitale Lösungen, Infrastrukturen, Services und interne Prozesse bereitstehen.

 

Last but not least: Was würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der in einem anderen Unternehmen eine Position wie die Ihre antritt?

U. Reimann: Ich denke es ist wichtig zu wissen was unter dem Jobtitel wirklich verstanden wird bzw. was die tatsächlichen Erwartungen sind. Geht es beispielsweise eher um Digitalisierung oder um Transformation, um strategische oder operative Arbeiten? Weiter ist interessant zu wissen, wer die Sponsoren und die direkten Vorgesetzten sind. Je nachdem wie die Erwartungen liegen, ist das von grosser Bedeutung, um den Job erfolgreich ausüben zu können.

 

Über die Person:

Urs Reimann ist als «Head of Digital Transformation» bei der Bystronic Group beschäftigt. Er hat langjährige Erfahrung in verschiedenen leitenden Positionen im industriellen Umfeld. Urs Reimann ist Ingenieur mit Abschlüssen in Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und verfügt über ein Executive MBA. Aktuell absolviert er einen Master in «Digital Business» an der Hochschule für Wirtschaft Zürich.

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