CDO Interview: Dr. János Heé - Vice President Digital Solutions der Adecco Gruppe

May 21, 2019

Lieber Herr Heé, was machen Sie genau bei der Adecco Gruppe?

Ich bin Vice President Digital Solutions. Das ist eine Rolle, die innerhalb der Adecco Gruppe neu geschaffen wurde, genauso wie unsere Abteilung, Digital Operations. Die Hauptaufgabe meines Teams ist es, unseren digitalen Ventures zu helfen weiter zu wachsen. Und zwar nicht nur im Kernmarkt zu wachsen sondern auch geografisch. Wir  geben Ihnen quasi einen «Blueprint», wie sie ihr Business vorantreiben, Prozesse definieren und so von einem Start-up in ein Corporate-Umfeld wechseln können. Wir haben Funktionen aus Finance, Produkt sowie eine Digital-HR-Funktion bei uns, dies hilft, beim Digitalisieren der Ventures die richtigen Leute zu finden. Das ist einer der wichtigsten Punkte. Daneben haben wir Experten im Bereich Marketing und Sales in unserem globalen Team. Dieses Expertenteam unterstützt die Kollegen vor Ort. Dabei definieren wir gemeinsam das «Go-to-market» für länderspezifische Rollouts: was muss  vorbereitend gemacht werden, um das Venture in einem neuen Land zu lancieren? Was muss aus rechtlicher, aus finanzieller, organisatorischer oder Marketing-Sicht sichergestellt werden, damit eine digitale Staffing-Plattform erfolgreich sein wird?

 

Wenn man bei der Adecco Gruppe jemanden fragt "Was bedeutet

Digitalisierung bei euch?" Was ist die Antwort?

Die Digitalisierung ermöglicht uns effizienter zu agieren, bessere Services für unsere Kunden und Kandidaten zu liefern und neue Dienstleistungen anzubieten. Ein Teil der Digitalisierung der Adecco Gruppe sind unsere digitalen Ventures. Nur eine möglichst effiziente Zusammenarbeit zwischen dem traditionellen Business und dem neuen, digitalen Business, ist erfolgreich. Ein gutes Beispiel ist unsere digitale Staffing-Plattform Adia (www.adia.com; Anm. d. Redakt.). Mit Adia erschliessen wir ein neues Marktsegment im KMU-Bereich den wir mit dem klassischen Geschäftsmodell vorher nicht abgedeckt hatten.   Der Gastro- und Eventbereich ist dafür prädestiniert, denn es müssen in kürzester Zeit viele Personen für Events gefunden werden. Dies ist im Moment der Hauptfokus von Adia.

Gemeinsam mit dem jeweils verantwortlichen Ländermanager der Adecco Gruppe definiert unser Team, wie wir digitale Neuerungen – beispielsweise Adia - pro Land voranbringen.

 

 

Das ist also wirklich eine Transformation von einer Art, Umsatz zu machen, auf eine ganz andere Art

Genau. Aber in einem genau abgegrenzten Spielfeld. Wir digitalisieren dort, wo wir Marktanteile gewinnen können und wo die Adecco Gruppe noch keine Präsenz hat. Bspw. im Bereich Freelancer. Hier bieten wir mit YOSS, unserem digitalen Marktplatz für Freelancer, ein neues Produkt im Portfolio der Adecco Gruppe. Beim digitalen Vermittler von Temporär-Mitarbeitern, Adia, wiederum geht es darum, dass wir ein spezifisches Kunden- und Kandidatenbedürfnis effizient über eine App befriedigen. Dabei setzen wir die Adecco Mitarbeiter auch direkt bei unserem Venture Adia ein.

 

Wie lang gibt's bei Ihnen den Bereich bzw. die Stelle schon, die Sie begleiten?

Die gibt's inzwischen seit über einem Jahr.

 

Wie gefestigt ist das schon in der sehr grossen Adecco Gruppe, einem Fortune-Global-500-Unternehmen?

Adia ergänzt das klassische Business von Adecco, erhöht somit die Effizienz und auch die Rentabilität. Die Kundenzufriedenheit stieg in der Schweiz nachweislich an, obwohl oder vielleicht gerade, weil Adia digital ist. Dank der hervorragenden Unterstützung der Adecco Gruppe Schweiz, konnten wir auch organisch Marktanteile gewinnen. Wir müssen in den anderen Ländern genau über dieses Erfolgsmodell sprechen, so werden wir auch dort Erfolge bei der Umsetzung feiern. Adia ist innerhalb von 18 Monaten in drei Ländern erfolgreich operativ umgesetzt. YOSS hat in nur einem Jahr den zweiten Markt eröffnet.

 

Wie gross sind die digitalen Ventures die Sie betreuen? 

Grösse ist im Moment gar nicht das Ziel. Wir haben uns ein Zeithorizont von drei Jahren gegeben. Es geht nicht ausschliesslich um Umsatz, sondern auch um Lerneffekte in der Organisation. Bspw. hat Adia in den USA ein digitales Tool und neue Prozesse eingeführt um Kandidaten-Hintergrundüberprüfungen durchzuführen. Mit solchen Innovationen kann man auch das traditionelle Business vorwärts bringen: Adecco US evaluiert dieses Tool ebenfalls. Oder Adecco Analytics, unser Venture im Bereich Data, hat eine Datenbank für Berater von Spring Professional (Vermittlung von qualifizierten Fachkräften) entwickelt, mit der wir schneller geeignete Kandidaten identifizieren können.

 

Was sind die wichtigen Erfolgsfaktoren für das Wachstum?

Unsere Ventures sind Teil der Adecco Gruppe und haben damit den Zugang zu bestehenden Kundenbeziehungen und Kandidaten.  Wir können schneller skalieren aufgrund des bestehenden Kunden und Kandidatenpools – und neue Geschäftsfelder aktivieren: 24/7 Zugang zu einem grossen Pool von verifizierten und bewerteten Kandidaten oder unkomplizierte Abwicklung über eine App. Natürlich begleiten wir Kunden nach wie vor persönlich bei komplexen Themen wie Schichtplanung oder Einhaltung der Vorschriften zur Stellenmeldepflicht. Hier ergänzen sich unsere digitalen und Offline-Produktangebote.

 

Wie wichtig ist das Kommittent von ganz oben bei all dem?

Ich hätte diesen Job nicht angefangen, hätte ich den Adecco Group CEO, Alain Dehaze, nicht am Investoren Tag in London im September 2017 reden gehört. Dort hat er auf der Bühne vor den Investoren der Adecco Gruppe betont, wie wichtig Innovation und Digitalisierung für den Erfolg der Adecco Gruppe sind. Wir haben damals die Ventures sehr prominent präsentiert. Adia ist jetzt am weitesten von allen. Zudem haben wir auch noch weitere Unternehmen gekauft, die im Ökosystem der Adecco Group jedoch andere Lösungen darstellen: bspw. Vettery, ein etablierter digitaler Marktplatz für qualifizierte Fachkräfte. 

 

Welche Kompetenzen benötigen Sie in den Ventures? 

Wir brauchen in allen Ventures einen gesunden Mix zwischen Mitarbeitern welche die Branche verstehen und solchen mit digitalen Kompetenzen. Personalvermittlungs-Know- How ist unerlässlich. Damit aber bei allen Mitarbeitenden der digitale Mindset sichergestellt ist, hat Adia eine Training Academy aufgebaut. Somit können wir die vielen neuen externen Mitarbeiter schulen und weltweit auf dem neusten Stand zu halten. 

 

Ich habe noch eine letzte Frage. Was würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der in einem anderen Unternehmen eine ähnliche Stelle antritt?

Mir fallen ganz viele Sachen ein. Wenn es um einen neuen, digitalen Prozess geht, um eine neue Online-Plattform oder einen neuen e-Shop, würde ich sagen: "Don't touch the big systems." Ich würde für Ventures nicht mit einer der berühmten Oben-Rechts-Lösungen aus dem Gartner-Quadraten arbeiten. Ich habe zwar gute Erfahrungen damit gemacht, aber es ist extrem teuer. Mittlerweile gibt es so viele gute Cloud-basierte Lösungen, dass ich das vorziehen würde. So viel zum Thema e-Commerce und Systeme. 

Wenn es darum geht, digitale Ventures aufzubauen und zum Erfolg zu bringen, ist es wichtig, dass man ein Team hat, das am besten direkt dem CEO unterstellt ist. Mein Chef, Adrian Hofer, rapportiert an die Geschäftsleitung der Adecco Gruppe. Somit stellt man die strategische Anbindung sicher, hat die Unterstützung der Geschäftsleitung und man ist nicht abgelenkt vom operativen Geschäft. 

Was dem Management bewusst sein muss, ist, dass Digitalisieren Zeit braucht. Das ist bei einem grossen Unternehmen nicht von heute auf morgen möglich und mit langfristigen Investitionen verbunden. Man muss bereit sein, die nötigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

 

Über die Person:

Dr. János Heé (41) ist seit 2017 bei der Adecco Gruppe. Heé unterstützt als Vice President Digital Solutions die weltweiten Rollouts und hilft, den Wachstum der digitalen Ventures voran zu treiben. Er übernimmt dabei ad interim Management Aufgaben bei den Ventures. Vor seiner Zeit bei der Adecco Gruppe war Heé für die strategische Planung und Umsetzung der digitalen Transformation bei der Sunrise Communications verantwortlich. Als Head of ECommerce bei Swiss International Air Lines, zeichnete er sich 2014 für den Relaunch der swiss.com und verschiedener Mobile Apps verantwortlich. Nach seinem Studium in Informations-, Technologie- und Medienmanagement an der HSG war er zunächst als Business Development Manager in einem Startup tätig. Der Betriebswirt hält einen Doktor in Marketing- und Dienstleistungsmanagement der Universität St. Gallen (HSG).

 

 

 

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