CDO Interview: Jürg Wild - Leiter Digitales bei der Genossenschaft Migros Zürich

March 4, 2019

 

 

 

 

Der Wunsch nach Benchmarking ist auch für CDO Club Switzerland ein zentrales Thema. Nebst dem Zugang zu Top-News rund um digitale Themen, sowie die Förderung des Netzwerks und die Organisation hochwertiger Events wie die CDO Summits steht auch der Austausch von Informationen und Best-Practice im Vordergrund. Daher veröffentlichen wir an dieser Stelle auch Interviews von Schweizer CDO’s, welche von ihren Erfahrungen als CDO in ihren Unternehmen sprechen und wichtige Tipps zum Thema Digitalisierung und den damit verbundenen Herausforderungen geben. Dies soll als «Benchmarking» verstanden werden und helfen etwas Licht hinter das Thema Digitalisierung zu werfen. 

 

Den Auftakt macht Jürg Wild, Leiter Digitales seit dem 2. Januar 2017 bei der Genossenschaft Migros Zürich. 

 

Was ist Ihre Position im Unternehmen?

Auf meiner (analogen) Visitenkarte steht «Leiter Digitales».

 

Wie wird man zum Digital Officer der Migros Zürich? 

Von einem Digital Officer wird eine gewisse Breite und strategischer Überblick erwartet. Es geht nicht darum, Webseiten oder neue Apps zu entwickeln oder einfach das digitale Marketing voranzutreiben, sondern zu schauen, wo überall durch die Digitalisierung neue Möglichkeiten, oder eben auch Risiken, für das Unternehmen entstehen. Technisches Verständnis schadet dabei nicht, Neugierde und Begeisterung für digitale Themen und wirtschaftliche Zusammenhänge sind ebenfalls wichtig. Unternehmerische Denkweise und Kenntnisse im „Change-Management“ sind aber ebenfalls gefragt. Aus der Schnittmenge meines Profils als Informatiker, Berater und Unternehmer hat die Erfahrung und die MGZ einen Digital Officer „gebacken“. 

 

Womit beschäftigt sich ein Digital Officer generell?

Generell ist der Digital Officer ein strategischer Brückenbauer um die Unternehmung den veränderten, digitalen Kundenbedürfnissen kontinuierlich anzupassen und damit wettbewerbsfähig zu bleiben. Er verbindet ökonomische, technische und strategische Aspekte von Digitalisierungsvorhaben. Konkrete Handlungsfelder sind dabei die Unternehmenskultur, digitale Innovationen und disruptive Ansätze.

 

 

Was ist Ihr Aufgabenfeld bei der Migros Zürich?

Der digitale und gesellschaftliche Wandel erfordert von Unternehmen angepasste Strukturen sowie neue Strategien und Denkweisen. Im Zentrum der Aufgaben steht die Verantwortung, diese (digitale) Transformation mit allen involvierten Partnern voranzutreiben. Neben vielen strategischen Fragen geht es dabei im Kern auch um einen Change-Prozess der die ganze Organisation und die Wertschöpfungskette betrifft – entsprechend vielfältig sind die Aufgaben. 

 

Alle reden von Digitalisierung. Was bedeutet das in Ihrem Unternehmen?

Die Migros ist ein traditioneller Betrieb, mit dem Supermarkt als Herzstück, dessen Funktionsweise sich seit 100 Jahren bestens bewährt hat. In einer zunehmend digitalen Welt stösst unsere Struktur und Kultur aber vermehrt an ihre Grenzen, denn wir sind auf Verlässlichkeit, Kontinuität und Effizienz ausgerichtet und weniger auf Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Agilität und Innovationskraft getrimmt. Hier gilt es, Brücken zwischen den beiden Welten zu bauen und aus dem Kern Neues zu schaffen. Erfreulich ist die Tatsache, dass wir in einzelnen Bereichen bereits als «digitale Leader» unterwegs sind und den strukturellen Wandel mit unseren vielen Stärken aktiv angehen können.

 

Wie lange gibt es Ihre Position, Rolle schon? Wie gefestigt ist sie in der Organisation?

Die Position wurde anfangs Jahr durch die GL neu geschaffen. Dank einer hervorragenden Initiierung, einer tollen internen Kommunikation und regelmässigen Gesprächen mit allen Beteiligten hat sich die neue Einheit bereits als Anlaufstelle für Digitales etabliert.

 

Wie wird Ihre Arbeit und Rolle im Unternehmen wahrgenommen?

Dazu müssten Sie die Stakeholder im Unternehmen befragen. Von meiner Seite bestätige ich ein erfreuliches, positives Echo und viel Unterstützung aus allen Bereichen. Ansprechpartner sind offenbar froh, dass diese Position geschaffen wurde um den Wandel zu kanalisieren und aktiv anzugehen. Diesbezüglich gilt es eher, die ambitionierte Erwartungshaltung im realistischen Bereich zu halten.

 

Was unternehmen Sie um die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen voran zubringen?

In einer ersten Phase war es naheliegend die Ausgangslage und den digitalen Reifegrad des Unternehmens zu analysieren. Danach erfolgt die eigentliche Zielsetzung und das weitere Vorgehen anhand der Strategie-Pyramide. Dieser Prozess setzte wichtige Diskussionen in Gang und fördert auch das Verständnis für das Zusammenspiel aller Bereiche. In der zweiten Phase geht es nun um die Erstellung eines Portfolios um bestehende und neue Initiativen anhand von Strategie-Fit und Markt-Potentialen zu priorisieren.

 

Wo sehen Sie die wichtigsten Hebel, Erfolgsfaktoren?

Als wichtigste Hebel sehen wir die nahtlose Verzahnung der verschiedenen Informations- und Einkaufskanäle. Ohne die digitale Unterstützung in der Filiale geht da künftig wohl nicht mehr viel. Ein weiterer Erfolgsfaktor sind die Daten und Personifizierung. Nur wer den Kunden kennt, kann relevante Angebote mache. Uns kommt zugute, dass wir traditionell sehr nahe beim Kunden sind und seine Bedürfnisse bestens kennen. Das uns entgegengebrachte Vertrauen ist dabei sowohl Verpflichtung als auch ein enorm wichtiger Wert in einer zunehmend digitalen, globalen Welt. 

 

Was sind die grössten Hürden?

Je grösser und heterogener ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es an bestehendem, bequemen oder lange bewährten zu rütteln. Eine Veränderung von Innen braucht entsprechend Geduld, Mittel und den uneingeschränkten Support aus dem Top-Management. Nicht wenige Unternehmen sind schon daran gescheitert oder lagern den Innovationsteil nach mehreren Versuchen lieber gleich komplett aus.

 

Welche Veränderungsprozesse müssen Sie vorantreiben?

Die fünf grössten Online Händler in der Schweiz erwirtschaften heute mehr Umsatz als die fünf grössten Schweizer Einkaufszentren. Wenn wir beim Kunden von morgen relevant sein wollen, müssen wir insgesamt schneller und agiler werden und auf allen Kanälen Kunden-Erlebnisse statt nur tolle Produkte anbieten. Der stationäre Handel kann hier viel von Online lernen, was durchaus im Sinne eines digitalen «Mind-Set» zu verstehen ist.

 

Wo stehen Sie in dem Prozess mittelfristig, sagen wir in drei Jahren?

Das Unternehmen ist insgesamt agiler und auf allen Kanälen sehr nahe am Kundenbedürfnis. Wir profilieren uns mit einer ausgewogenen Balance zwischen effizientem, operativem Tagesgeschäft und institutionalisierter, schneller Innovation.

 

Last but not least: Was würden Sie jemandem mit auf den Weg geben, der in einem anderen Unternehmen eine Position wie die Ihre antritt?

Ich glaube es war Jeff Bezon von Amazon der mal gesagt hat: «Be strong on vision, but flexible on detail.” Das trifft’s wohl ganz gut.

 

Über die Person:

Jürg Wild ist Leiter Digitales der Migros Zürich.

Er hat einen betriebswirtschaftlichen Background, langjährige Erfahrung als Unternehmer im Informatikbereich und der strategischen Unternehmensberatung.

Jürg Wild hat 2016 seinen EMBA in Digitaler Transformation an der HTW Chur abgeschlossen.

 

 

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